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Sonntag, 29.08.04, ist der jamaikanische Sänger
Buju Banton im Rahmen einer Deutschland-Tournee
in Bremen im „Modernes“ aufgetreten.
In seinem Lied "Boom Bye Bye" ruft Buju
Banton offen dazu auf, Homosexuelle zu ermorden:
„Schieß einem Schwulen in den Kopf,
richtige Jungs unterstützen keine Schwulen.“
Dieser
Song erschien erstmals 1992, ist aber noch 2001
auf einer nach wie vor erhältlichen CD (The
early years, 1990 – 1995, Lied Nr. 13, amazon.com)
erneut erschienen und wurde Anfang August 2004
laut Jamaica Observer vom 09.08.04 bei einem Konzert
in Jamaika aufgeführt.
Amnesty
international, Human Rights Watch und die jamaikanische
Lesben- und Schwulenorganisation J-Flag berichten
aufgrund von Zeugenaussagen, dass Buju Banton,
der mit bürgerlichem Namen Mark Myrie heißt,
im Juni 2004 in Jamaika an einem schwulenfeindlichen
Übergriff persönlich beteiligt war.
Auf
Vorschlag des Modernes führten Reiner Neumann
und Bernd Thiede als Vertreter des Rat & Tat
Zentrums für Schwule und Lesben vor dem Konzert
ein Gespräch mit dem Sänger Buju Banton
und den Veranstaltern.
Zu
den Vorwürfen erklärte Banton, er habe
dieses Lied als 18jähriger junger Mann unter
den besonderen gesellschaftlichen Bedingungen
in Jamaika geschrieben. Er sagt: „Ich werde
hier mit einem Lied konfrontiert, an das ich mich
kaum noch erinnere, da ich es schon seit Jahren
nicht mehr gesungen habe.“ Auf die Verbreitung
des Liedes auf CDs habe er keinerlei Einfluss,
da er die Rechte schon vor Jahren an die Plattenfirma
abgetreten habe. Auf die Frage, ob der Journalist
des Jamaica Observer gelogen habe, antwortete
er: „Ja, der Journalist hat gelogen.“
Banton bestritt außerdem, dass die jamaikanische
Polizei ihn im Zusammenhang mit dem Überfall
auf schwule Männer anhören wollte. Mit
diesem Vorfall habe er nicht das Geringste zu
tun. Zur Ermordung des schwulen Aktivisten Brian
Williamson meinte sein Manager, in Jamaika würden
unglaublich viele Menschen getötet, was aber
mit deren sexueller Orientierung nichts zu tun
habe. Allgemein beklagt Banton die Macht der Schwulenverbände
in Europa, von denen er sich zu Unrecht verfolgt
fühlt.
Bernd
Thiede: „Ich finde es gut, dass Buju Banton
sich dem Gespräch gestellt hat. Das Ergebnis
ist eher enttäuschend, da er sich zu keiner
Entschuldigung für den Inhalt des beanstandeten
Liedes durchringen konnte. Die Distanzierung erfolgte
nur indirekt durch die Erklärung der Umstände
der Entstehung des Liedes.“
Sollte
Banton tatsächlich keinen Einfluss auf die
Verbreitung des Liedes haben, erwarten wir zumindest
eine schriftliche Entschuldigung und eine Wiedergutmachung
z.B. durch eine Spende an J-Flag.
Nach
dem Gespräch demonstrierten Rat & Tat-Aktivisten
vor dem Modernes und suchten die Diskussion mit
den Konzertbesuchern.
„Die
Besucher waren überwiegend interessiert und
informiert. Erschreckend war die Gleichgültigkeit
einiger Fans bezüglich der Inhalte der Lieder.
Ihnen geht es offenbar nur um das spezielle Feeling“,
sagte Vorstand Reiner Neumann.

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