Die AIDS-Beratungsstelle des Rat & Tat Zentrums besteht im Monat Mai 20 Jahre.
Bereits vor ihrer offiziellen Gründung widmeten sich die Mitarbeiter des Zentrums der AIDS-Thematik. Anfang 1986 war es soweit: Die Aids-Beratung wurde zu Beginn über ABM-Mittel finanziert. 1988 wurden die Stellen und Sachmittel durch die Bundesregierung (Modellprojekt) und seit 1992 aus den Bremer Haushaltsmitteln gefördert.
Die Mitarbeiter hatten zu Beginn Pionierarbeit zu leisten: Informationen über AIDS waren zwar vorhanden, aber in der Bevölkerung und den Zielgruppen ebensowenig präsent wie bei medizinischem Fachpersonal und anderen professionellen Gruppen. Hilfen für Menschen mit HIV und AIDS waren im medizinischen, im pflegerischen und auch im psychosozialen Bereich nur unter Mühen und mit persönlichem, großem Arbeitsaufwand zu erbringen.
Die Bremer Linie
Bereits im Laufe des Jahres 1986 konnte die „Bremer Linie“ zwischen den AIDS-Beratungsstellen im Gesundheitsamt, im Rat & Tat Zentrum für Schwule und Lesben e. V., der Bremer AIDS-Hilfe e. V., der senatorischen Behörde und auf politischer Ebene festgelegt werden. Die Kernaussagen dieser Linie, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben, sind:
Verzicht auf seuchenrechtliche Maßnahmen und stattdessen:
- keine Diskriminierung HIV-Infizierter, AIDS-Kranker und ihres sozialen Umfeldes
- Solidarität mit Betroffenen und ihrem Umfeld, Akzeptanz ihrer Lebensweisen
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grundsätzlich anonyme und vertrauliche Beratung der von HIV-Betroffenen und ihres sozialen Umfeldes
- das Angebot des HIV-Anitkörper-Tests anonym und kostenlos mit einem vorangehenden Beratungsgespräch
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breitgefächerte und sachliche Information und Aufklärung
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enge Kooperation zwischen Gesundheitsamt und den Betroffenengruppen sowie Aufbau eines tragfähigen Versorgungsnetzes im Bremer Raum zwischen Einrichtungen des öffentlichen Dienstes, freier Träger, Selbsthilfegruppen und den niedergelassenen Ärzten und Kliniken.
Vielfältige Angebote und anonyme Beratung als Schlüssel zum Erfolg
In den 20 Jahren der regionalen AIDS-Arbeit ist es gelungen, diese Grundsätze mit Leben zu füllen. Die Möglichkeit der anonymen Beratung, Begleitung und Prävention waren Grundlage für die Akzeptanz der Angebote für die Betroffenen. Die intensive Kooperation zwischen Gesundheitsamt und der gay community haben sich bewährt. An dieser Stelle ein Dank an alle Kooperationspartner.
Das Rat & Tat Zentrum für Schwule und Lesben ist Informationsbörse sowie Anlauf- und Beratungsstelle. Wir sind im Bremer Raum die kompetente und verlässliche Adresse für alle Fragen im Bereich der gleichgeschlechtlichen Lebensweisen sowie zu HIV und AIDS. Im Laufe der Jahre haben wir unsere Angebote kontinuierlich den veränderten Bedingungen immer wieder angepasst. Die AIDS-Beratungsstelle im Rat & Tat Zentrum ist im Netz der psychosozialen Beratungsstellen in Bremen fest eingebunden.
Veränderungen der AIDS-Arbeit
Das vermehrte medizinische Wissen um HIV und die verbesserten medizinischen Behandlungsmethoden für HIV-Positive seit Mitte der 90er Jahre führten zu neuer Hoffnung. Die Immunschwäche wird mehr und mehr zu einer behandelbaren chronischen Krankheit. Nicht mehr der nahe Tod steht im Mittelpunkt der Auseinandersetzung, sondern die Herausforderung das Leben zu gestalten. Für die Lebensplanung bedeutet dies, die gewonnene Zeit zu füllen. Fragen nach der Erwerbsarbeit und sinnvoller Beschäftigung stellen sich neu. Gleichzeitig zeigen sich die Folgen der langen Zeit der Infektion und die Nebenwirkungen der antiretroviralen Medikamente. Mehr medizinisches Wissen und Behandlungen führen bei vielen zu Überforderungen bei Entscheidungen für eine Therapie und Behandlung. Die Fragen nach Partnerschaft, Liebe und Sexualität bleiben in ihrer Dynamik erhalten. Die Kürzungen bei den Sozialversicherungen treffen die vielen jungen AIDS-Kranken hart. Das Leben mit Sozialhilfe oder Hartz IV ist für viele vorprogrammiert.
In der Präventionsarbeit ist flexibles und kreatives Handeln gefragt. Es gibt immer noch kein Heilmittel. Zu safer sex gibt es auch Anfang des 21. Jahrhunderts keine Alternative. Das Thema Migration und AIDS wird in Zukunft eine größere Rolle spielen. Auch die Zahl der HIV-positiven Frauen nimmt deutlich zu.
Einsparungen gefährden die Qualität der Arbeit
Die MitarbeiterInnen der AIDS-Beratung im Rat & Tat Zentrum begleiten jährlich 50 Menschen mit HIV und AIDS sowie ihre Freunde und Angehörigen. Mehr als 700 Personen erhalten Hilfestellungen bei Fragen zu HIV und AIDS und gleichgeschlechtlichen Lebensweisen. Aufklärungsveranstaltungen für Schulklassen und anderen Gruppen sind weiterhin notwendig. Die Präventionsaktionen zur Verhinderung von Neuinfektionen in der gay community sind unerlässlich. Aufgrund der Kürzungen im AIDS-Bereich, sind wir gefordert, die Eigenfinanzierung der Gelder für Kondome, Gleitgel und give aways selbst zu erwirtschaften. Dies ist nur mit Sponsoren, der Unterstützung der gay community und Spenden möglich. Vorbeugen ist besser als für die Versorgung von Kranken zu zahlen. Die Politiker in Bremen haben sich weiterhin für die Förderung der AIDS-Arbeit im Rat & Tat Zentrum entschieden. Wir fordern alle auf, uns bei der Fortführung der Arbeit zu unterstützen. Ganz besonders bedanken möchten wir uns bei den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern, ohne die wir diese Arbeit nicht so umfangreich hätten ausfüllen können.
Das Angebot der Beratungsstelle ist im Laufe der Jahre in den Kernbereichen konstant geblieben. Hierzu gehören die telefonische und persönliche Beratung zu allen Fragen zu HIV/AIDS, der psychosozialen Begleitung der Menschen mit HIV und AIDS sowie deren LebenspartnerInnen und Angehörige, Angebote für Selbsthilfe, Semin e und Aufklärungsveranstaltungen für Schulklassen u. a. Gruppen. Darüber hinaus sind die Mitarbeiter in den Szenetreffpunkten als Ansprechpartner präsent und versorgen diese mit den neusten Informationsmaterialien.
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